Rossini

Helmut Dietl, Deutschland, 1997o

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Im italienischen Restaurant Rossini trifft sich allabendlich die Münchner Schickeria, spinnt Intrigen, schliesst Geschäfte ab oder stürzt sich in Liebesaffären. Während ein Regisseur und ein Filmproduzent einem schüchternen Schriftsteller die Rechte für einen Bestseller abzujagen versuchen und der Produzent mit einem Dichter um die Gunst einer eisigen Schönheit ringt, macht sich eine unbekannte Blondine an den Beizer heran, um sich Zutritt zu seiner Klientel zu verschaffen.

Die Münchner Schickeria der Berühmten, Schönen und Reichen, die in exklusiven Lokalen verkehren, war ab den 1970er Jahren im deutschen Sprachraum so präsent, dass sie es mit einem gleichnamigen Song der Spider Murphy Gang sogar in die Hitparaden schaffte. Ihre ebenso erfolgreiche satirische Verewigung fand sie in der All-Stars-Komödie Rossini von Helmut Dietl, der als gefragter Fernsehregisseur Teil dieser Szene war und sie in Zusammenarbeit mit dem Münchner Bestseller-Autor Patrick Süskind (Das Parfüm) auf die Schippe nahm. Die überdeutlichen Karikaturen, die damaligen Zelebritäten wie dem Filmproduzenten Bernd Eichinger, dem Dichter Wolf Wondratschek oder dem öffentlichkeitscheuen Süskind selbst nachempfunden sind und alle im italienischen Lokal Rossini ein- und ausgehen, sind heute die anfängliche Hypothek des Films: ein 100%iger Mistkerl der Filmproduzent (Heiner Lauterbach), der zusammen mit einem ausgebrannten Regisseur (Götz George) um jeden Preis den Bestseller eines krankhaft schüchternen Schriftstellers (Joachim Król) verfilmen will und mit einem unsäglichen Lyriker (Jan Josef Liefers) um die Gunst einer eisigen Schönheit (Gudrun Landgrebe) ringt. Auf den ersten Blick schon die pure Berechnung Veronica Ferres als Provinzstarlet, das dem Inhaber des Lokals (Mario Adorf) schöne Augen macht, um sich Zutritt zu seiner Klientel zu verschaffen. Doch je länger dieses Spiel des Bedrängens und Betrügens, der falschen Versprechungen und Hoffnungen dauert, desto besser bewährt sich Dietls Methode des heiteren Zynismus im goldigen Kerzenschein. Jeder Liebesschwur und jede Hassbekundung verpuffen auf diesem Jahrmarkt des Ehrgeizes und der Eitelkeiten, die grossen Gefühle verkommen zu Farce, am Ende betrügen alle vornehmlich sich selbst und ändert sich trotz unablässiger Vorsätze herzlich wenig. Ein vergnüglich verabreichte Diagnose, deren Wahrheitsgehalt wohl niemand mit etwas Lebenserfahrung gänzlich in Abrede stellen wird.

Kerstin Blank

Empfehlungeno

Filmdateno

Genre
Komödie
Länge
110 Min.
Originalsprachen
Deutsch, Italienisch
Bewertungen
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ØIhre Bewertung6.4/10
IMDB-User:
6.4 (2449)
Cinefile-User:
< 3 Stimmen
KritikerInnen:
< 3 Stimmen

Cast & Crewo

Götz GeorgeUhu Zigeuner
Veronica FerresSchneewittchen
Mario AdorfPaolo Rossini
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