Apocalypse Now
Francis Ford Coppola, USA, 1979o
Zum Tod von Robert Duvall (1931–2026) der Film mit seinem unvergesslich zynischen Satz «I love the smell of napalm in the morning»:
Mitten im Vietnamkrieg, erhält Captain Willard den Auftrag, den abtrünnigen Colonel Kurtz zu liquidieren, der im Dschungel ein selbstherrliches Regime errichtet hat. Willard und seine Besatzung kämpfen sich in einem Patrouillenboot einen Fluss hoch. Dabei wird die Reise zum apokalyptischen Tripp.
The Deer Hunter, Coming Home, Platoon, Born on the 4th of July ... In den Jahren nach Ende des Vietnamkrieges (1975) beschäftigte sich das gesellschaftskritische neue Hollywood immer wieder mit diesem nationalen Trauma, welches das amerikanische Selbstverständnis als demokratisch legitimierte Weltpolizei im Kampf mit den kommunistischen Regimen des Bösen erschüttert hatte. Der stärkste dieser Filme bleibt Francis Ford Coppolas freie Übertragung von Joseph Conrads Roman Heart of Darkness (1899) vom Kongo der Kolonialzeit auf das Vietnam von 1969. Sie erzählt von einem amerikanischen Offizier, der den geheimen Auftrag erhält, einen US-Obersten zu liquidieren, der sich mit einer Privatarmee im Dschungel verschanzt. Auf der Fahrt mit einem Patrouillenboot wird der Trupp fortlaufend mit den Abgründen des Krieges konfrontiert, unvergesslich personifiziert etwa von Robert Duvall als selbstherrlichem Oberstleutnant, der einen Helikopterangriff zu Wagners Walkürenritt bloss zwecks Räumung eines Surfstrands fliegen lässt und diesen mit dem Satz "I love the smell of Napalm in the morning" betritt. Das Beispiele zeigt, dass sich Coppola wie die meisten seiner Zeitgenossen in den USA wenig für die politischen Zusammenhänge des Krieges interessierte – und schon gar nicht für die vietnamesische Sicht. Umso stärker dafür der Trip in die seelische Finsternis der GIs. Er endet konsequenterweise bei einem Marlon Brando, der als endlich aufgespürter Warlord nur in einer Höhle hockt und apokalyptische Mantras murmelt.
Andreas Furler
