Johnny Suede
Tom DiCillo, Schweiz, Frankreich, USA, 1991o
Der abgebrannte New Yorker Sänger und Gelegenheitsgitarrist Johnny kaschiert seine Unsicherheit, indem er sich wie die Rock'n'Roll-Stars Elvis und Ricky Nelson stylt. Als ihn seine Freundin sitzen lässt, trifft er auf die selbstbewusste Yvonne und gründet mit seinem besten Kumpel eine Band. Allmählich begreift Johnny, dass es im Leben Wichtigeres gibt als Coolness und ein paar schicke Wildleder-Schuhe.
Johnny Suede ist ein aufstrebender Musiker mit Potenzial zum Rockstar. Zumindest in seiner Vorstellung. In Wirklichkeit lebt er in einer New Yorker Wohnung mit abblätternden Wänden, einer ausrangierten Trockenhaube und vernachlässigten Topfpflanzen. Und vom Star hat er weniger das Talent als vielmehr die Pose: eine mächtige Tolle – seinem Idol Ricky Nelson nachempfunden – sowie schicke Wildlederschuhe, die am Anfang des Films buchstäblich vom Himmel fallen. Er ist die Projektionsfläche seiner eigenen Träume sowie von einigen jungen Frauen, die ihm auf den Leim gehen – oder er ihnen. Tom DiCillos Regiedebüt von 1991 verweigert konsequent das klassische Aufstiegsnarrativ und ist tief im amerikanischen Independentkino der frühen Neunziger verankert. Es gehört somit zu jener Sundance-Generation, die das US-Kino damals neu codierte. In einer Mischung aus ironischer Distanz, melancholischer Romantik und formaler Verspieltheit steht es in einer Reihe mit den früheren Filmen von Jim Jarmusch oder Hal Hartley. Der von Ruth Waldburger und ihrer Schweizer Vega-Film coproduzierte Film wartet mit dem 27jährigen, kurz vor dem endgültigen Durchbruch stehenden Brad Pitt in der Haupt- sowie Nick Cage in einer Nebenrolle auf. Und mit ein paar schrägen Songs, die Suede auf seiner Gitarre zum Besten gibt. Einfach Kult.
Till Brockmann
