22 Bahnen

Mia Maariel Meyer, Deutschland, 2025o

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Die begabte Mathematikstudentin Tilda jobbt nebenbei im Supermarkt und muss ihre 10jährige Schwester genau so bemuttern wie ihre alkoholkranke Mutter. Eines Tages sieht sie im Schwimmbad, dass der attraktive ältere Bruder ihres tödlich verunfallten Freundes wieder in der Stadt ist. Wenig später offeriert ihr ihr Professor eine Doktorandenstelle im fernen Berlin. Kann sich Tilda von ihren vielen Verantwortungen lösen und freischwimmen in ein Leben nach ihren Vorstellungen?

22 Bahnen basiert auf dem 2023 erschienenen ersten Roman von Caroline Wahl, die damit aus dem Stand zum Shooting Star avancierte und auch mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein von sich reden machte. Paradoxerweise handeln Wahls Erstling und seine Verfilmung von einer Mathematik-Studentin, die zwar ebenfalls eine auffällige Begabung hat, aber kaum an sich selber zu denken wagt. Eine Doktorandenstelle in Berlin schlägt Tilda aus, weil sie als Tochter einer heillosen Alkoholikerin, Ersatzmutter ihrer kleinen Schwester und Miternährerin dieser prekären Rumpffamilie ständig für andere sorgen muss. Ihre zarten Gefühle für eine Schwimmbad-Bekanntschaft mit Sixpack wiederum kommen kaum über das Keimstadium hinaus, weil ein traumatischer Unfall beide belastet. Die hingetupften Szenen voller vager Andeutungen beschneiden zwar diesen zweiten Handlungsstrang; bei der Zeichnung der familiären Konstellation führt das gleiche Verfahren hingegen zu stimmungsstarken Szenen – mag Tildas kleine Schwester auch mit etwas stereotyper Lieblichkeit aufwarten, die Mutter dafür mit derart hemmungslosen Ausfälligkeiten, dass man sich bisweilen fragt, wieso Tilda dies fast widerspruchslos hinnimmt. Die nuancenreiche Konstante in diesem Wechselbad der Gefühle ist die gebürtige Zürcher Schauspielerin Luna Wedler, deren Bodenständigkeit und Willensstärke die Regie bewusst zügelt. Es brodelt in dieser jungen Frau, die ihre eigenen Bedürfnisse so lange im Zaum hält. Ist Tilda eine Figur unserer Zeit? Auf alle Fälle fügt sie sich ein in die lange Reihe von Frauenfiguren, von denen Bücher und Filme der jüngsten Zeit so gern erzählen: Überlebenskünstlerinnen in widrigen Verhältnissen, die just dadurch zu sich finden.

Andreas Furler

Galerieo

Filmdateno

Genre
Drama
Länge
102 Min.
Originalsprache
Deutsch
Bewertungen
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ØIhre Bewertung6.9/10
IMDB-User:
6.9 (843)
Cinefile-User:
< 3 Stimmen
KritikerInnen:
< 3 Stimmen

Cast & Crewo

Luna WedlerTilda
Zoë BaierIda
Laura TonkeAndrea
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