Chien 51
Cédric Jimenez, Frankreich, Belgien, 2025o
Paris, 2045. Die Bevölkerung der Hauptstadt wird von einer künstlichen Intelligenz namens Alma überwacht und in drei Zonen unterteilt. In jeder Zone ist die gleiche soziale Schicht vertreten. Eines Tages wird der Schöpfer der KI ermordet. Die Ermittlungen werden Salia, einer Polizistin aus Zone 2, und Zem, einem Polizisten aus Zone 3, anvertraut.
In Europa hat derzeit nur die französische Filmindustrie die Mittel und das Know-how für einen futuristischen Thriller wie diesen. Tut sich dabei der Coautor der Politserie Baron Noir und des Bataclan-Fahndungskrimis Novembre erneut mit dessen Regisseur zusammen, so kommen auch noch ein intelligenter Plot und ebensolche Action hinzu: Adèle Exarchopoulos und Gilles Lellouche spielen zwei Flics im Paris von 2045, das in drei Zonen unterteilt ist – das Machtzentrum, die Innenstadt der Arrivierten und die Aussenbezirke für den grossen Rest der Misérables. Die strenge Separierung der Zonen garantiert Datenarmbänder, Unmengen von Polizisten, Drohnen und Scannern sowie eine KI, die bei Verbrechen innert Sekunden den wahrscheinlichsten Tathergang ausspuckt. Nach der Ermordung des Gurus dieser KI schiebt das Innenministerium die Schuld reflexartig dem Anführer einer Stadtguerilla (Louis Garrel) zu, die gegen die totale Überwachung durch Big Data kämpft, doch deckt unser Duo schnell auf, dass der Fall vertrackter ist. Beunruhigend plausibel erscheint dabei, dass die Fahnder nur noch als Handlanger der KI fungieren und somit die Rolle innehaben, die uns allen in vielen Lebensbereichen droht. Packend auch die Parallelmontage zweier Verhöre, bei denen Nötigung prompt die gewünschten Resultate erbringt, brillant der Showdown zwischen Exarchopoulos und zwei Drohnen, die selbständig die Drecksarbeit des lautlosen Verfolgens und Tötens übernehmen. Danach dünnt der Film zu einem Finale aus, das die erzählerische Auszehrung mit logistischem Aufwand maskiert, das Heldenpaar zu Nebenfiguren macht und einen handgestrickten Volksaufstand gegen die Allmacht der KI suggeriert. Man würde an dessen Erfolgsaussicht ja gern glauben, nur ...
Andreas Furler
