Pillion
Harry Lighton, GB, Irland, 2025o
Als der schüchterne Colin in einer Bar auf den charismatischen Ray trifft, ist es sofort um ihn geschehen. Dass der attraktive Biker ausgerechnet ihn zu seinem neuen Gefährten erwählt, kann er kaum fassen. Ray fordert absolute Unterwerfung, zu der Colin nur allzu gern bereit ist. Er putzt, kocht, kauft ein und schläft anstandslos auf dem Bettvorleger. Im Gegenzug öffnet ihm Ray die Tür zu einer aufregenden Welt wilder Abenteuer und sexueller Ekstase. Während sich seine Eltern zunehmend Sorgen machen, geniesst Colin sein neues Leben. Doch langsam erwacht in ihm eine leise Sehnsucht nach etwas, das Ray ihm vielleicht niemals geben kann.
Sexuelle Vorlieben wie SM, Dominanz und Unterwerfung in hetero-, bi- oder homosexueller Spielart? Alles kein Problem, solange alle Beteiligten als «consenting adults» damit einverstanden sind und je auf ihre Rechnung kommen! In mühevoller jahrzehntelanger Kleinarbeit hat man sich als vermeintlich fortschrittliches Mitglied westlicher Gesellschaften zu dieser Haltung maximaler Toleranz durchgearbeitet. Dann kommt ein Film wie Pillion ins Kino und bringt einen an seine Grenzen. Er handelt von einem schmächtigen, schüchternen schwulen jungen Working-Class-Briten, der sich in einem Pub von einem hochgewachsenen, hochattraktiven Biker in Lederklamotten anbaggern und im Handumdrehen zu dessen Lustsklaven degradieren lässt. Wobei: Degradieren? Der liebenswürdige Underdog lässt sich ja freiwillig wie ein Hund behandeln, schläft willig auf dem Bettvorleger des Beaus, kauft unterwürfig für ihn ein, lässt sich nach dessen Gusto scheren und selbstverständlich auf jede erdenkliche Art penetrieren, ohne je ein Wort der Zuneigung zu hören. Im Gegenzug für diese lustvolle Malträtierung wird er aufgenommen in die schwule Biker-Leder-Community, in der sich jeder so einen freudigen Submissiven hält und Grillausflüge in ungezwungenen Freiluftsex der Alpha- mit ihren Omegatieren münden. Die angelsächsische Kritik zeigte sich von Pillion sehr angetan, und in der Tat ist der Film gut gemacht. Was er uns in keinem Moment erklärt, sind das Umfeld und das menschliche Rätsel des dominanten Bikers, gespielt mit dem Charme eines Tiefkühlers von Alexander Skarsgård. Die PR sagt, es handle sich im Grunde um eine Romcom. Man muss es hinnehmen: Ein alter weisser cis-Kritiker kann nicht alles verstehen.
Andreas FurlerGalerieo
