Unter Mangobäumen
Damaris Lüthi, Schweiz, 2025o
Sie waren Kämpferinnen der Tamil Tigers, zivile Opfer von Angriffen, oder Vertriebene. Frauen aus den srilankischen Bürgerkriegsparteien – den Tamilen, Singhalesen und den Muslimen – erinnern sich. Der Film verbindet Täterinnen und Opfer und gibt Einblick in die Traumata und Überlebensstrategien.
Nachdem die britische Kolonialmacht 1948 aus dem damaligen Ceylon und heutigen Sri Lanka abgezogen war, begann die buddhistische Dreiviertelsmehrheit der Singhales:innen im Süden und Zentrum der Insel die von den Briten geförderte hinduistische Minderheit der Tamil:innen (15%) bald bürokratisch und politisch zu drangsalieren – und beide zusammen die knapp zehnprozentige muslimische Minderheit. Die Polarisierung brachte die Hardliner aufs Tapet, unter denen sich auf tamilischer Seite in den 1970er Jahren die separatistische Guerilla der Tamil Tigers durchsetzte und die Insel in den Bürgerkrieg von 1983 bis zur Kapitulation von 2009 hineinzog. Ein gutes Jahrzehnt nach dem Ende des Krieges, der 100‘000 Tote forderte und auch rund 60‘000 Flüchtlinge in die Schweiz brachte, besuchte die Berner Anthropologin Damaris Lüthi Sri-Lankerinnen in der Schweiz und in ihrer Heimat, die von ihren Kriegserfahrungen und dem Weiterleben danach berichten: eine freiwillige und eine zwangsrekrutierte Soldatin der Tamil Tigers, eine vertriebene Muslimin, eine Singhalesin, die durch einen Überfall auf ihr Haus ihren Mann, ihren ältesten Sohn, Hab und Gut verlor … Unvermeidlich, dass dieses unkommentierte, nur von knappen Texterläuterungen unterbrochene Panoptikum des durchlebten Leidens von Trauer und Traumata geprägt ist und damit eindringlich daran erinnert, dass jede Kriegs- eine Lost-Generation auf Lebzeit ist. Eindrücklich aber auch, wie sich die Unterschiede im Umgang mit dem Schmerz zeigen: Die Ideologinnen tun sich ungleich schwerer damit als die mehr oder weniger zufälligen Opfer. Erstere besuchen im Finale des Films eine Gedenkveranstaltung, die überquillt vor heroischer Rhetorik, letztere wünschen sich nur ein Mahnmal ihrer Vertreibung oder beten mit ihrer Restfamilie vor einem Schrein. Alle brechen einem das Herz.
Kerstin BlankGalerieo
